Wie ein Betreiber wie Vodafone einen Mobilfunksender modernisiert

Seit mittlerweile über drei Jahren interessiere ich mich sehr für die deutschen Mobilfunknetze, die Sendeanlagen, die Plattform CellMapper, und alles was damit zu tun hat. Und damit meine ich wirklich all das, was damit im Zusammenhang steht und sich mit unseren Sinnen erfahren lässt — und dabei ist das uns ständig begleitende „handheld“ (englisch für „tragbares, elektronisches Endgerät mit Akku) wohl der siebte.

Und nun ergab sich kürzlich der glückliche Zufall, dass ich den Umbau eines Mobilfunksenders aus nächster Nähe miterleben durfte.

Der Sender befindet sich auf einem Cottbuser Wohnblock – einem Plattenbau am Lindenplatz im Stadtteil Sandow. Hier waren schon seit vielen Jahren Antennen aller drei Betreiber auf diversen Masten verteilt auf dem Flachdach des Hauses montiert, was sich für die LTE-Emission der Telekom-Panels auch mit CellMapper belegen lasst (first seen 10.12.2016). Insbesondere letztere waren allerdings tatsächlich schon sehr in die Jahre gekommen.

Da für den Dachstandort im grünen Cottbuser Osten anscheinend eine große Modernisierung geplant war, haben sich offenbar alle drei Betreiber um – teilweise etwas mehr, teilweise etwas weniger – Modernisierung und Konsolidierung bemüht.

Die Arbeiten starteten in der zweiten Märzhälfte 2022. Noch sind die Inzidenzen in Cottbus viel zu hoch und die meisten Menschen bleiben lieber in der Wohnung, zumindest wenn in ihrem Beruf Telearbeit möglich ist. Doch gerade in den Plattenbauwohnungen der teils sehr effizient sanierten Gebäude am Lindenplatz, in der Hainstraße und an der Wehrpromenade machen sich selbst bei simplen Telefongesprächen Abbrüche bemerkbar. Der Grund: Arbeiten am nahe gelegenen Mobilfunksender. Und zwar gründliche.

Bauarbeiten vor Lindenplatz 19

Eine motivierte Truppe von bis zu zehn Bauarbeiter-, Monteur-, Statiker*innen ist bereits früh morgens aktiv und nutzt unter Zuhilfenahme eines großen Hebekrans die belebende ostdeutsche Morgensonne, um sämtliches Betreiber-Equipment abzumontieren. Sie schafft schließlich im Laufe einer knappen Woche auch alle Masten, Altkabel samt Kabelführungen, Metallträger und Ähnliches vom Dach herunter. Wenig später beginnt das auf das Dach Heben der neuen massiven Stahlträger samt Mastkonstruktionen und Antennenhalterungen.

Der Stahlbau vor der Montage

Am Morgen des 24.03.2022 waren zwei der drei massiven Stahlkonstruktionselemente, die später bis zu vier schwere Multiband-Antennen-Panels tragen sollen, schon fix am nördlichen Ende des Dachs montiert. Das dritte ließ sich, noch als Ansammlung nicht montierter Bauteile, im PKW-Parkhafen vor dem Aufgang zu Lindenplatz 19 bewundern (siehe Bild oben).

Ich beobachtete den weiteren Fortschritt der Arbeiten aus der Ferne aus dem höchstmöglichen Obergeschoß eines nahen Wohnblocks:


Innerhalb einer Woche war sämtliches Equipment ausgetauscht.
Besonders interessant zu beobachten war das Heben des dritten Mastes am 29.03.2022.

Am 30.03. waren dann alle großen Bestandteile der neuen, konsolidierten Sendeanlage auf dem Dach und Telekom und o2 schickten ihre Techniker und Monteure alsbald für die Verkabelung auf das Hausdach.
Beide Betreiber nutzen offensichtlich Antennen aus ihrem Gebrauchtbestand, was dennoch ein Upgrade gegenüber den vorherigen darstellt.

Am spannendsten waren aber – und sie sprangen auch sofort in mein aufmerksames Nerd-Auge – die Commscope Antennenpanele, die Vodafone wohl neu bestellt und montiert hatte. Die Modellbezeichung lautet Commscope RRZZVV-65B-R6H4 – eine mächtige, 38 kg schwere, moderne und vor allem vielfältig einsetzbare 12-Port-Multibandantenne, die bei entsprechender Unterfütterung mit den richtigen Remote Units (RRU’s) 2G/3G/4G/5G Signale auf Frequenzen zwischen 700 und 2700 MHz senden kann.

Hier die Eckdaten…
…der Commscope „KitKat“ 12-Port Multiband-Mobilfunkantenne / das Panel RRZZVV-65B-R6H4

Wegen ihrer interessanten Form und internen Aufteilung in zwei längliche Elemente wurde dem Modell von den Mitgliedern der @CellMapper_Deutsch Community der Spitzname “KitKat” gegeben – daraus sind sogar schon einige Memes entstanden.

Mitte April folgte schließlich auch die Verkabelung seitens Vodafone und am Standort mit der eNB ID 200030 konnten neben den Band 1 Sektoren am Donnerstag, den 21.04. endlich auch Signale auf der Frequenz 1800 MHz (Band 3) und 800 MHz (Band 20) gemessen und kartiert werden. Somit erhält der Sender ein Upgrade von 20 MHz LTE-Bandbreite auf 50 MHz (10 MHz B20 + 20 MHz B3 + 20 MHz B1).

Damit sind bei geringer Last Bandbreiten von theoretischen 500 Mbit/s (praktisch eher circa 380 MBits/s) im Download und theoretischen 150 MBit/s (praktisch eher ca. 110 MBit/s) im Upload möglich. Theoretisch bieten die Antennen noch freie Ports mit Optionen für die Frequenzen Band 7 (20 MHz Spektrum @ ~ 2600 MHz) und Band 28 (10 MHz Spektrum @ ~ 700 MHz), sowie die Möglichkeit von DSS-Betrieb auf den Bändern B3/n3 zwecks 5G – dabei würden die 20 MHz @ ~ 1800 MHz dynamisch und bedarfsgerecht zwischen den Netztechnologien 4G/5G aufgeteilt werden.
Bei sogenanntem Vollausbau wären hier sehr ordentliche Geschwindigkeiten möglich – doch ein solcher ist teuer, verursacht ständig höhere Emissionen und erfordert weitere Netztechnik wie die passenden RRUs, mit denen man bisher noch etwas geizt. Doch für die ruhige und grüne Cottbuser Wohngegend, in der viele alte Menschen leben, wird auch ein 3CA-Betrieb (Zusammenschalten der drei Frequenzblöcke) ausreichende Versorgung gewährleisten.

Über TechNils

Technik- & matheversiert. CellMapper🤳 Mobilfunk. 🏗️ Berlin & Grün 🚲. „Wenn, dann richtig!“ bei manchmal kryptischer Ausdrucksweise.

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